Da macht man sich mal nen schönen Abend, kommt morgens um zwei aus Rostock zurück, liest Webmoritz und denkt sich: Wer sitzt da eigentlich im Stupa? Ist den Stupisten, den “Mitgliedern des Studierendenparlamentes (MdS)” noch nicht klar, dass sie hier mit Menschen arbeiten? Mit Personen, die Freizeit, Studiumszeit und verdammt viele Nerven in ein Amt stecken, dass nahezu keine Aufstiegschancen bietet?
Ist die Selbstüberschätzung des Studierendenparlamentes mittlerweile so groß, dass sie völlig vergessen, dass die Universitätspolitik ein Mikrokosmos ist, der innerhalb eines durchaus größeren Gefüges existiert? Da wird ein Kandidat abgelehnt, der Erfahrung mitbrachte. Der Engagement mitbrachte. An den Bürgerschaftsmitglieder und Landtagsabgeordnete herantreten, weil sie ihn für fähig halten. Aber das Stupa bildet sich eine eigene Meinung und die lautet keine Einmischung von außen.
Dabei haben Stadt und Region ein großes Interesse an der Universität, bedeuten die Lehramtsstudenten doch über 25 Millionen Euro an Kaufkraft pro Semester (um nur mal ein Argument zu nennen). Aber Sebastian Ratjen musste sich neulich erst von einem studentischen Vertreter fragen lassen, wie er darauf komme, dass einen Schönwalder die Universität interessieren könne…
Glaubt das Studentenparlament etwa, dass es die Welt allein von sich heraus verändern könne? Dass es keine Hilfe von außen benötige? Wer will denn die Lehrämter verlagern? Das Bildungsministerium in Schwerin. Wer kann dagegen vorgehen? Diejenigen, die sich einen kompetenten Ansprechpartner in der Universität wünschen. Dies wurde ihnen nun verwehrt – lieber gibt es gar keinen Ansprechpartner. Tolle Leistung, liebes Stupa – die Lehrämter in Rostock werden es euch danken!
Und wurde Pedro nicht auch vorgeworfen, der AStA sei unpolitisch? Politisch neutral und unpolitisch sind unterschiedliche Dinge. Den Bildungsstreik nicht unterstützt? Eine Veranstaltung von der sich die LHG auch deshalb fern gehalten hat, weil dort Unterstützer waren, vor denen Liberale, als DIE Verfechter der Demokratie, durchaus auch schon unter Polizeischutz standen. Eine Veranstaltung, die Hausfriedensbruch (vorsätzlich!) beging. Und die Vertretung aller Studierenden muss sich nun zum Vorwurf machen lassen, nicht an kriminellen Handlungen teilgenommen zu haben, deren Forderungen zu 50 % gut und zu 50 % Propaganda für die Weltrevolution waren? Welch Weltferne besteht hier?
Ein letztes noch. Die Fluktuation in den studentischen Gremien ist durchaus hoch. Das Interesse gering. Hieß es nicht neulich noch, dass nur ca. 4 % der Studenten in einer Hochschulgruppe Mitglied wären? Das macht für Greifswald ca. 500. Geteilt durch 6 also ungefähr 83 pro Hochschulgruppe. Wir kennen alle die ungefähren Mitgliedszahlen und wissen, dass dies eine unrealistische Größe ist. Heute wurde wieder mal bewiesen, warum sich Leute von der hoPo fernhalten sollten, wenn sie etwas bewegen wollen. Sachorientiert? Zielgerichtet? Die LHG sucht und findet den Kontakt zu Parteien, Bürgerschaft, Landtagsfraktionen – arbeitet intern und hinter den Kulissen. Das Stupa wollte dagegen vergangene Nacht ein Zeichen setzen – das ist ihm gelungen. Auf eine Gratulation verzichte ich.