Ende des Jahres laufen die Zielvereinbarungen zwischen dem Bildungsministerium und der Universität Greifswald aus (http://bit.ly/ahPb2O). In diesen wurde unter anderem geregelt, dass der Universität Greifswald ein Alleinstellungsmerkmal genommen werden soll – der Diplomstudiengang BWL. Deutschlandweit ist er der letzte Diplomstudiengang, der noch Studenten aufnimmt. Im Zuge einer Odyssee, genannt Bolognaprozess, soll nun auch dieser Studiengang fallen. Dabei ist das Modell Bachelor-Master längst nicht ausgereift, längst nicht so umfassend anerkannt, wie das Diplom. Und wollen wir nicht auch Wettbewerb zwischen den Universitäten? Durch diesen Studiengang erhält die kleine Hansestadt einen Vorteil, der ihr eine Vielzahl von Studenten einbringen dürfte – was das für Greifswald bedeutet, müsste jedem klar sein. Konkurrenzfähig zu den großen Universitäten in Berlin, Bonn oder München, allein durch einen Studiengang.
Und dieser ist noch längst nicht verloren! Das LHG M-V erlaubt die Fortführung einmal genehmigter Studiengänge. Geschlossen werden diese wiederum durch die Fakultäten. Diese haben aufgrund der grundgesetzlich garantierten Wissenschaftsfreiheit die Hoheit über ihre Studiengänge. Solange man sich dort also hütet, einen entsprechenden Antrag zu stellen, ist die BWL in Sicherheit. Alternativ kann nur der Rektor einen Schließungsantrag stellen – gegen den der Rechtsweg offen steht. Aber hoffentlich kommt es nicht so weit und wir erhalten uns ein kleines Stück Einzigartigkeit – das Diplom der Betriebswirtschaftslehre.
Das Verhältnis zum Lehramt ist eine ähnliche Geschichte. Konkurrenz zwischen den Universitäten, wenn zwei Volluniversitäten kastriert werden? Die Schließung der Juristenausbildung in Rostock war ein Schlag gegen den Wettbewerb und somit ein Schlag gegen hochqualitative Lehre. Nun soll es an die Lehrer gehen, zu denen alle Prognosen sagen: Es wird in der Zukunft zu wenig Lehrer in Mecklenburg-Vorpommern geben. Bis 2019 gehen 66 % der derzeitigen Lehrkräfte in den Ruhestand. Und die jungen Lehrer bleiben mitnichten im Bundesland. Wieso auch, wenn sie hier nur ein Drittel des möglichen westdeutschen Gehaltes verdienen? Allein hieraus ergibt sich, dass neue Lehrer benötigt werden. Dazu kommt, dass in Mecklenburg-Vorpommern derzeit zu wenig Grundschullehrer und keine (!) Berufsschullehrer ausgebildet werden. Hier ist die Bedarfslücke längst da. Anstatt eine funktionierende Gymnasiallehrerausbildung zu zerstören, sollte die Landesregierung eher diese Bereiche entsprechend aufforsten – vielleicht sogar an zwei Standorten, die sich in der Qualität gegenseitig nach oben schieben.
Ein Wort noch zur Vielfalt. An den Lehrämtern Greifswald hängen einige wertvolle Unikatfächer oder unersetzliche Institute, wie das Caspar-David-Friedrich-Institut. Um die Vielfalt der Lehre sicher zu stellen, müssen diese unbedingt erhalten bleiben. Wie aber soll dies ohne die Lehrerausbildung geschehen? Welche Einschränkungen bei der Lehrerausbildung wird es insgesamt geben? Antwort darauf wird die Landesregierung in den nächsten Tagen geben, wenn die Frist einer kleiner Anfrage der FDP-Fraktion abläuft. Dort werden genau diese Fragen gestellt. Wir erwarten die Antwort gespannt.