14.03.2009

Bachelors auf verlorenem Posten

Lücke vor der Promotion?

Der Bundesbericht zur Förderung des Wissenschaftlichen Nachwuchses (BuWiN) erwähnt nur mit einem Satz auf S.14, dass es aufgrund der Umstellung auf Bachelor/Master schwer sei,” den Startpunkt der Nachwuchsphase exakt zu bestimmen”. Diese Planlosigkeit ist schmerzhaft.

Im B/M-System entscheidet die Wahl des MSc-Programms die Fachrichtung und damit den Einstieg in die Wissenschaft. Eine MSc-Absolventin ist qualifiziert zu einer Promotion im gewählten Arbeitsgebiet. Realität ist heute: Das Studium einstufig (Bachelor) und die Promotion zweistufig (Master + Dr). Die Förderung des wissenschaftlichen Nachwuchses hat also bereits nach dem BSc anzusetzen.

Bachelors auf verlorenem Posten

Der akademische Abschluss Bachelor ist berufsqualifizierend, er qualifiziert nicht zum unabhängigen Forscher. Ein MSc- oder PhD-Studium muss dem BSc folgen. Während dieses Studiums ist der BSc jedoch sehr wohl in der Lage, weisungsgebunden wissenschaftlich zu arbeiten.

Derzeit werden BSc als studentische Hilfskräfte bezahlt; es ist sogar explizit geregelt, dass Bachelors nicht aus Drittmitteln als wissenschaftliche Mitarbeiter bezahlt werden dürfen. Deshalb ist die Weiterqualifikation nach dem BSc ist eine Zeit ohne existenzsicherndes Einkommen. Mit dem MSc-Abschluss sind die finanziellen Spielräume schliesslich sehr eng, teilweise bestehen Verbindlichkeiten aus der Studienfinanzierung.

Die Entscheidung einer weiteren Laufbahn in den Wissenschaften hat eine zwingende wirtschaftliche Komponente: Die Reserven sind erschöpft, die Promotion ist nur möglich, wenn die wirtschaftliche Existenz gesichert ist. Die deutsche Forschungs- und Bildungspolitik hat die absurde Situation provoziert, dass angehende Forscherinnen oder Entwickler in der freien Wirtschaft Schleifen drehen müssen um sich zu refinanzieren. Statt einer Straffung und Geradlinigkeit in der Ausbildung des wissenschaftlichen Nachwuchses wirkt die Planlosigkeit von Bologna auf die gesamte Laufbahn als Wissenschaftlerin.

Mein Vorschlag ist, das erzwungene Pendeln zwischen Wirtschaft und Wissenschaft positiv zu nutzen: Als wissenschaftlicher Unterbau der Unternehmen und zur Anwendungsorientierung der Forschung. Dazu muss dieses Pendeln jedoch systematisch akzeptiert sein!

Juniorprofessur

Auf dem Weg zum Hochschullehrer kann die Juniorprofessur die vorletzte Station sein. Für eine Laufbahn als Forscher ist eine Juniorprofessur oft nicht interessant, in einem experimentellen Arbeitsgebiet ist eine Juniorprofessur witzlos, weil eigene finanzielle Mittel fehlen. Entweder ist die Stelle zur Mitbenutzung der Geräte einer Arbeitsgruppe angegliedert, und damit weisungsgebunden, oder man steht die ersten Jahre mit leeren Händen da um Drittmittel einzuwerben.

Positiv ist die mehrjährige Sicherheit einer Juniorprofessur. Ich sehe um mich herum die Wissenschaftler in ständiger Sorge in befristeten Verträgen; Pflichtmeldungen der Höchstqualifizierten beim Arbeitsamt.

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